Düfelsgilde

Die Geschichte der Düfelsgilde

Fasnacht gibt es in Jestetten schon lange, nicht erst seit dem Narrenverein. Auch die Düfelsgilde, die im Jahr 2013 auf ihr 50-jähriges Bestehen zurückblickte, entstand bereits vor Gründung des Narrenvereins.

Die Initiatoren der Düfelsgilde, Erwin Fritz, Karl Schlude und Kurt Kettner griffen 1962 eine Tradition auf, welche es in Jestetten schon seit Jahrzehnten gab (in der Gründungsurkunde ist sogar von „vor de Johrhundertwendi“ die Rede). Alte Jestetter meinten damals zu den Initiatoren: „Fasnit frühner, hä mer halt ä Düfelschappe gha und Lundsche häts au scho gäh“. Nachforschungen ergaben, dass als „Erfinder“ der Düfelschappe Mitte der 20-er Jahre wohl August Kaier aus der Weihergasse zu gelten hat. Er erhielt im Übrigen später den Beinamen „Düfele-Kaier“. Die Düfelschappe selbst war, was in der damaligen Zeit wichtig war, relativ einfach anzufertigen: Gesichtskonturen wie Mund und Nase wurden mit roten Kreuzstichen genäht. Kennzeichen waren weiter die rote heraushängende Zunge sowie die beiden hängenden Hörner.

Auch nach dem 2. Weltkrieg war diese Düfelschappe stets ein wichtiges Utensil der Jestetter Dorfjugend. Somit war es nur logisch, dass E. Fritz, K. Schlude und K. Kettner im Gasthaus Adler (heutige Sparkasse) diese Tradition aufgriffen und ausbauen wollten. Davor holte man sich noch den Segen des Elferrates mit Leo Straub an der Spitze, welcher damals in Sachen Fasnacht das Sagen hatte. Ziel der Initiatoren war es, eine Fasnachtsgruppe zu gründen, die mit einer Düfelschappe, vor allem aber auch mit einem Häs ausgestattet ist. Erwin Fritz erhielt vom Elferrat den Auftrag, einen kompletten Düfel nach seinen Vorstellungen als Muster anzufertigen. Dies geschah denn auch mit tatkräftiger Hilfe der Ehefrauen Hanni Fritz und der gelernten Schneiderin Helene Kettner. Die beiden waren es auch, die später zusammen mit Magdalena Schlude die Düfelsgwändli „in Serie“ anfertigten.

Beim Mehlsuppenessen 1963, genauer am 25.2.1963, wurde von den drei Initiatoren dann der Düfel der Bevölkerung vorgestellt. Der Erfolg der Fasnachtsfigur war überwältigend und es dauerte nicht lange, bis die neu gebildete Gruppe regen Zulauf erhielt. Dies führte dann auch dazu, dass man sich eine Art Satzung gab. In ihr wurde u. a. festgehalten, aus welchen Teilen das Düfelsgwändle zu bestehen hat: „Düfelschappe, dem rot-gelben Flammenkragen, der schwarzen Montur, einer Kette um den Bauch mit zehn Schellen daran und schwarzen Schuhen“. Festgelegt wurde, dass in der Gilde nur Männer aufgenommen werden. Weiter ist aus der Gilde ein Oberdüfel zu wählen, welcher als Zeichen seiner Würde eine rote, zweizackige Gabel trägt. Ferner noch, dass die Düfelsgilde nur geschlossen und mit Genehmigung des Elferrates auftritt, die Gwändli sichtbar nummeriert werden und sie sich generell der Aufgabe stellen, alte Jestetter Fasnacht zu hegen und zu pflegen. Diese Statuten wurden 1966 bestätigt und durch den Punkt ergänzt, „Unser Bestreben ist, das Narrenvolk nicht durch rüpelhaftes Benehmen zu verärgern, sondern durch unsere Streiche zu erfreuen“. Hervorgehoben wurde auch die Stellung des Oberdüfels, dessen Entscheidungen bei öffentlichen Auftritten der Gilde unbedingt Folge zu leisten sind. Hier ist wohl ebenso die Handschrift des alten Feuerwehrmannes Erwin Fritz zu erkennen wie auch bei dem „Gesetz“ bei den Auftritten der Düfelsgilde: „Einer für alle, alle für einen“. Ein ungeschriebenes Gesetz war und ist es auch heute noch, dass die Düfel nur gemeinsam auftreten dürfen. Früher wurden sämtliche Gwändli noch im Gasthaus Hirschen in einem Schrank eingeschlossen. Den Schlüssel hatte der Oberdüfel und bei Auftritten traf man sich eine halbe Stunde vorher im Hirschen.

Düfelsgwändli der Anfangsjahre

Düfelsgwändli aus den Anfangsjahren

In den Jahren 67/68 steckte die Narretei bzw. vielmehr der Elferrat in einer Krise. Schon im Februar 1968 beschloss die Düfelsgilde, dass man trotz des Zerwürfnisses mit dem Elferrat bestehen bleiben will. “Die Gewänder werden dem Elferrat abgekauft, wenn sie uns nicht geschenkt werden, sodass wir vom Elferrat unabhängig sind“. Am 10.12.1968, als sich in der Zwischenzeit auch der Narrenverein mit Ernst (Goli) Holzscheiter als erstem Obernarr gegründet hatte, wurde von der Düfelsgilde einstimmig, wenn auch zähneknirschend, die Mitgliedschaft im Narrenverein akzeptiert. Hintergrund war, dass man anfangs dem neugegründeten Narrenverein sehr kritisch gegenüberstand. Erst im Laufe der Jahre wandelte sich die Skepsis in uneingeschränkte und engagierte Vereinszugehörigkeit Heute gilt die Düfelsgilde als der „harte Kern“ des Narrenvereins.

Die Düfel mit dem Bock ,,Emil“ am Umzug

Mit dem Narrenverein kam ab 1968 neuer Schwung in die Fasnacht und die Düfelsgilde sprang nicht nur auf diesen Zug auf, sondern gestaltete aktiv die Fasnacht mit. So wurde die Person der Düfelsgroßmueter geschaffen, am 2. Faisten (8 Tage vor dem schmutzige Dunschdig) der Düfelsball ins Leben gerufen und die Düfelsgabel als Symbol der Jestetter Fasnacht (anstelle eines Narrenbaumes) am schmutzige Dunschdig gestellt. Von Anfang an fuhr die Düfelsgilde mit dem Narrenverein an die Narrentreffen, wo man sich im Laufe der Jahre mit dem Düfelsbock „Emil“ einen Namen machte und stets ein gern gesehener Gast ist. Darüber hinaus beteiligten sich die Düfel auch an allen anderen Aktivitäten des Vereins, sei es beim Hämglunggiumzug, dem Narrenmarkt mit der „Düfelschuchi“, dem damaligen Rebwieberball, dem Mehlsuppenessen bis hin zur Organisation und Durchführung des Seniorennachmittages. Seit Mitte der 80er Jahre hat die Düfelsgilde sogar ein Männerballett, welches beim Mehlsuppenessen und mittlerweile auch in Dettighofen am ,,Bunten Abend“ das Publikum mit flotten Tänzen unterhält. Das die Düfelsgilde schon immer eine verschworene Gemeinschaft war und auch heute noch ist, ist nicht zuletzt auf die Aktivitäten außerhalb der Fasnacht zurückzuführen. Angefangen bei dem monatlich durchgeführten Stammtisch (seit 1970), über Ausflüge bis hin zu sportlichen und sonstigen geselligen Anlässen.
Seit 1975 gibt es die neuen Düfelsgwändle, ein Jahr später wurden die „Minidüfel“ geschaffen. Somit hatten auch Kinder die Möglichkeit, in die Düfel hinein zu wachsen. Die Düfelsgruppe zählt heute rund 35 Mitglieder. Die beiden „dienstältesten“ sind Egon Huber und Bruno Aufdermaur, welche bereits seit 1966 dabei sind.

Auftritt des Männerballetts der Düfelsgilde am Bunten Abend in Dettighofen

Da der Oberdüfel innerhalb der Düfelsgilde stets eine wichtige Funktion ausübt, seien sie hier namentlich aufgeführt: Bis zur konstituierenden Versammlung versah Eugen Fischer das Amt des Oberdüfels. Die offiziellen Oberdüfel danach:
Sigi Schwarz (1964-1965)
Georg Meier (1966)
Albert Strobel (1967-1973)
Bruno Auf der Maur (1973-1974)
Sigi Schätzle (1974-1978)
Armin Holzscheiter (1978-1980)
Bruno Steger (1980-1988)
Thomas Abend (1988-1998)
Thomas Wipf (1998-2006)
Andreas Prescher (2006-2012)
Boris Hoffmann (2012 bis 2018)
Fabian Holzscheiter (2018 – heute).

Der Oberdüfel an der Spitze beim Umzug in Birkendorf
Düfels Großmueter am schmutzige Dunschdig in Jestetten

Eine wichtige repräsentative Rolle spielt auch „im Düfel sini Großmueter“. Diese ist jedoch nur an der Fasnacht selbst und auch nur innerhalb des Dorfes anzutreffen. Die genauen Amtszeiten sind hier jedoch nicht ganz klar, weil die Figur Anfangs nur am Düfelsball in Erscheinung trat. So weit mündliche Recherchen und Unterlagen zutreffen waren Düfels Großmueter:
Winfried Rieger (1972-1977)
Fred Brückel (1978/79)
Roland Rechsteiner (1980-1982)
Karl Hail (1983-1985)
Richard Zeller (1986-1987)
Winfried Rieger (1988-1994)
Markus Kettner (1995-heute)